Siedlungsentwicklung

1.    Bebauung bis an den Rand – Holtorf und Holzlar sollen zusammenwachsen 

Unbestritten: Bonn braucht Wohnraum. Es muss gebaut werden und es stehen wenig Flächen im Innenbereich zur Verfügung. Deshalb ist verständlich, dass die Stadt Bonn mit großer Freude die freiwerdenden Flächen im Bereich Roleber in die Zukunftsplanung aufnimmt. Warum werden diese Flächen frei? Die Landwirtschaftskammer wird 2015 nach Münster umziehen. Das Gebäude und die umliegenden Versuchsfelder sollen einer anderen Nutzung zugeführt werden. In der Perspektive der Planer entsteht die Möglichkeit, im Außenbereich der Stadt Bonn eine riesige Fläche zu einem neuen Stadtteil zu entwickeln, zur neuen Trabantenstadt Holtorf-Holzlar für bis zu 5000 Menschen. Der Entwicklungsauftrag für die Fläche soll nach außen vergeben werden. Über den gegenwärtigen Stand der Diskussion informiert „Boris“ (Bonner Ratsinformationssystem).

Befremdlich ist in der Darstellung der Verwaltung, dass man im Innenbereich der Stadt Bonn mit großen Widerständen bei der Stadtentwicklung rechne. Wie ist das zu verstehen, wenn man an die Planungsüberlegungen zur Bebauung des Geländes der Landwirtschaftskammer denkt. Ist „Om Berg“ nicht mit Widerstand zu rechnen? Ist Planung im Nahbereich von Naturschutzgebieten einfacher, glatter und schneller durchzuführen? Ist die Idee einer Bürgerbeteiligung erst nach dem Infoabend der CDU Holzlar am 12.4.2013 entstanden? Erinnert die Darstellung der SPD Holzlar-Hoholz mit dem Verweis auf vorhandene Infrastruktur und leicht zu entwickelnde Erweiterung nicht sehr deutlich an das Gutachten der Universitäten Kaiserslautern und Bonn zum Entwicklungsbereich Ennert? Könnte der geplante Neubau der Grundschule „Om Berg“ nicht jetzt schon unter den neuen Anforderungen geplant werden?

Können sich wirklich alle Bürger „Om Berg“ schon heute über die realistische Nutzung von 5 Buslinien freuen oder haben wir nicht gerade eine Kürzung hinnehmen müssen? Warum wird erst jetzt über eine erhöhte Anstrengung zur Vermietung des Gebäudes Landwirtschaftskammer scharf nachgedacht? Die neu hinzugezogenen Bürgerinnen und Bürger in Roleber auf dem Gelände der Landwirtschaftskammer werden nicht automatisch auf die Möglichkeit des Individualverkehrs verzichten. Wie wird das erhöhte Verkehrsaufkommen gelenkt? Über die bekannten Wege? Über Pützchens Chaussee und Oberkasseler Strasse durch den Ennert? Wenn die Busse der 5 Buslinien nicht im selben Stau festhängen sollen, müssen getrennte Busspuren geschaffen werden. ..etc.

Die Fragen beunruhigen und erfordern, dass das Projekt im Gesamtkontext der Stadtentwicklung beachtet wird. Die Innenentwicklung muss Vorrang haben vor der Außenbereichsentwicklung. Niemand soll im künftigen Bonn unter Brücken schlafen müssen. Brachen in der Innenstadt wegen befürchteten Widerstands zu dulden, wäre in dieser Perspektive absurd.

Abschließend noch ein Hinweis, der die Großplaner beschäftigen sollte: Wird der Faktor demografische Entwicklung realistisch eingerechnet? Schloss Eichholz empfiehlt sich. Oder bauen wir die Ruinen der Zukunft? Konsequenz: Bevor wir die Region „Om Berg“ offensiv bebauen und ein zusammenhängendes wunderschönes Stück Natur bedrohen, müssen alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft werden. Ein Blick in die Fehlplanungen der spiegelbildlich analogen Region Venusberg kann sehr erhellend sein.
Aus der Sicht des VLSR muss das betroffene Gebiet nicht nur aus der Sicht der Stadt Bonn betrachtet werden, sondern auch aus der Sich der Stadt Königswinter, die sich in den letzten Jahren durch eine offensive Bau- und Siedlungspolitik im Siebengebirge einen deutlichen Ruf erworben hat. Insbesondere stellen sich die folgenden Fragen:

  • Wie kann die Entwicklung ökologisch verträglich gestaltet werden, insbesondere im Hinblick auf die bisherige Flächennutzung, die ausgewiesenen Naturschutzgebiete und die vorliegende Regionalplanung Bonn-Rhein-Sieg?
  • Welche Folgen hat eine Bebauung für die Wasserwirtschaft ?
  • Welches zusätzliche Verkehrsaufkommen entsteht?
  • Wie wird der zusätzliche Bedarf an Mobilität gedeckt?
  • Welche Rolle wird der ÖPNV im Zusammenspiel mit dem Individualverkehr übernehmen?

Nach einer ersten Annäherung an die Problemfelder plädiert der VLSR für eine ruhige Planung mit dem Ziel eine behutsame und ökologisch vertretbare Bebauung, ins Auge zu fassen, die den Charakter des Raumes am Ennert, in der Region „Om Berg“ erhält.
Er fordert von den Städten Königswinter und Bonn eine Abstimmung über die Entwicklungsziele des gesamten Bereichs und eine transparente Beteiligung der Bürger beider Gemeinden und eine Planung die die Eckdaten des Landschaftsplans Ennert berücksichtigt.

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